Veranstaltungen & Terminkalender 2021



Jakob Fischer | Baum Frucht Mensch | Bernhard Schmid | Holzgestalter


Bekannt aus dem TV. Hier ein Link zum Fernsehbericht über den

Holzgestalter - Künstler Bernhard Schmid:


Jakob Fischer

Baum Frucht Mensch

 

Info zum Künstler Bernhard Schmid: 

 

Was bewog mich, mich mit dem Jakob Fischer Apfelbaum so intensiv zu beschäftigen?

Ich habe mich mit den Apfelbäumen verbunden.

In meiner frühen Kindheit gaben mir die Apfelbäume in der Streuobstwiese meines Großvaters das Gefühl

von Geborgenheit und Heimat. Sie waren immer da, wenn ich Sie brauchte, hörten einfach zu und ich

verstand Ihre leisen Antworten.

Was macht diesen Baum so einzigartig und außergewöhnlich?

Es ist diese Liebe - Achtung - Wertschätzung, die diesem Ur-Baum Jakob Fischer und dessen Äpfeln

seit über 117 Jahren entgegengebracht wurde und immer noch wird.

Menschen, die diesen Baum gepflegt, mit ihm gelebt, sich für Ihn eingesetzt, seine Geschichte und

Ereignisse weiter getragen haben.

Allen voran Jakob Fischer, der seinen Namen dazu gab. Peter Weckerle, Alexander Ego, Joachim

Weidelener, Prof. Dr. Viola Hanke und Ralph Gräter. Menschen die prägende und entscheidende Momente

im Leben des Baumes mitgestaltet haben.

Nach dem Filmbericht im SWR kam am nächsten Tag ein älteres Ehepaar aus Esslingen zu mir ins Atelier.

Sie wollten den „Jakob Fischer“ Ur-Baum nochmals sehen. Zuvor war das Ehepaar in Rottum, denn Sie

hatten ihn dort regelmäßig besucht.

Es schrieb mir auch eine Frau, die Ihre Kindheit mit dem Baum verbrachte. „Der Baum war für mich wie

ein Nachhause-Kommen.“

So möchte ich Jakob Fischer und den Menschen in ihrer Zeit Aufmerksamkeit schenken und

dieses Buch widmen.

Tauchen Sie ein in das Gefühl Jakob Fischer

Bernhard Schmid

Künstler-Holzgestalter

 

 


 Infos zum Jakob Fischer Baum:

 

1903 entdeckte Jakob Fischer den Wildling am Waldrand und

verpflanzte ihn in seinen Garten.

 

1912 fruchtete der „Jakob Fischer“-Apfelbaum erstmals.

 

1914 legte Jakob Fischer einige dieser Äpfel in Stuttgart Experten des

Württembergischen Gärtnereiverbandes vor. Es erfolgte die

Anerkennung als eigenständige Sorte und bekam nach seinem

Entdecker den Namen „Jakob Fischer“.

 

1920 entwurzelte ein Sturm den Baum. Jakob Fischer richtete ihn wieder

auf und pflegte ihn.

 

1928 verkaufte Jakob Fischer den Bauernhof samt Apfelbaum an Familie

Ratgeber. Er zog nach Mettenberg bei Biberach.

 

1850 hatten seine Vorfahren die kleine Landwirtschaft gekauft,

die er 1892 von seinem Vater übernahm.

 

1943 am 27.01. starb Jakob Fischer im Alter von 80 Jahren und wurde in

Biberach bestattet.

 

1947 übernahm die Tochter der Familie Ratgeber mit ihrem Mann Peter

Klug das Anwesen in der Paradiesstraße in Steinhausen-Rottum.

 

1950 taufte die Großbaumschule Scherer in Bad Waldsee den

„Jakob Fischer“ um, sie nannte ihn „Schöner vom Oberland“.

Peter Klug erntete ca. 1000 kg Äpfel von seinem „Jakob Fischer“-

Apfelbaum. Davon verkaufte Peter Klug 20 Kisten à 25 kg

gepflückte „Jakob Fischer“-Äpfel für 10.- DM die Kiste.

Zu dieser Zeit kostete das billigste Auto, ein Lloyd, 3334,- DM.

 

1975 wollte der damalige Eigentümer, Peter Klug, den Baum im Herbst

fällen. Er hatte schon einen Schnitt in den Stamm gesägt, bevor er

von seinem Nachbarn Franz Weckerle, von Beruf Baumwart,

gestoppt wurde. Der Baum war Peter Klug zu hoch und er brauchte

Brennholz. Franz Weckerle bot Peter Klug 100.- DM zum

Brennholzkauf an, damit der „Jakob Fischer“-Apfelbaum stehen

bleiben konnte. Diesen Schnitt entdeckte Ralph Gräter 2021.

 

1993 am 02.12. erfolgte die Erklärung des „Jakob Fischer“-Apfelbaums

zum Naturdenkmal. Zu dieser Zeit hatte der Baum einen Umfang von

ca. 175 cm, eine Höhe von etwa 13 Meter und einen

Kronendurchmesser von 10-12 Meter.

 

1998 Wahl zur Streuobstsorte des Jahres in Baden-Württemberg.

 

2008 kaufte der Tierpräparator Ralph Gräter das Anwesen mit dem

„Jakob Fischer“-Apfelbaum.

 

2012 zu Ehren von Jakob Fischer wird der Platz vor der Mehrzweckhalle

Rottum „Jakob-Fischer-Platz“ benannt.

Aufnahme des „Jakob Fischer“-Apfels in die „Arche des

Geschmacks“ bei Slow Food.

Alexander Ego, Kreisfachberater für Garten- und Obstbau Biberach,

setzt sich für das Sichern des genetischen Ur-Materials ein.

 

2014 bis 2016 wurde der Baum mehrfach von Prof. Dr. Magda-Viola Hanke

und Ihrem Team am Julius-Kühn-Institut in Dresden-Pillnitz geklont.

Ein Klon bekam einen Platz neben dem Stammbaum.

 

2019 träumte Bernhard Schmid in der Wintersonnwendnacht von dem

Baum. Er fuhr sofort zum „Jakob Fischer“-Apfelbaum und sprach

auch mit dem Eigentümer Ralph Gräter über seinen Traum.

 

2020 am 20.07. ist der „Jakob Fischer“-Apfelbaum altersschwach

vertrocknet und abgestorben.

 

2021 am 15.02. hob Joachim Weidelener vom Landkreis Biberach den

Naturdenkmal-Schutz für den Baum auf, damit der Baum als Skulptur

der Nachwelt erhalten bleibt.

Am 20.02. legte der Eigentümer Ralph Gräter den Baum.

Bernhard Schmid, Künstler-Holzgestalter erwarb den

„Jakob Fischer“-Urbaum und erarbeitet in der Folge daraus

Skulpturen. Ein weiteres Leben „Jakob Fischer“ entsteht.

 

 H E U T E sind die Nachkommen vom „Jakob Fischer“-Stammbaum

weit über Deutschland und darüber hinaus verwurzelt und

versorgen uns mit nahrhaften, wohlschmeckenden Äpfeln.

  

Jakob Fischer Apfel in der Arche des Geschmacks

Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die sich für ein nachhaltiges, umweltfreundliches

Lebensmittelsystem einsetzt. Genuss und Verantwortung gehören dabei zu den wichtigsten

Zielen der Organisation. Slow Food engagiert sich mit verschiedenen Projekten für den Erhalt

der Arten- und Sortenvielfalt, des traditionellen Lebensmittelhandwerks sowie der regionalen

Geschmacksvielfalt.

Die Arche des Geschmacks ist seit 1996 ein erfolgreiches Projekt dieses Engagements.

Weltweit mehr als 5000 vom Aussterben bedrohte Lebensmittel wurden seitdem an Bord genommen

(Stand 2021). Ob Obst- und Gemüsesorten, Tierrassen, Käse-, Wurst- oder Brotsorten:

alle verbindet, dass in der industrialisierten Lebensmittelproduktion und -Verarbeitung kein

Platz mehr für sie ist, weil sie den Standarderwartungen bezüglich Arbeitsaufwand, Form,

Größe, Lagerfähigkeit nicht entsprechen.

Der Jakob-Fischer-Apfel wurde im Jahr 2012 als zweite Apfelsorte aus Deutschland nach dem

Lausitzer Nelkenapfel in die Arche des Geschmacks aufgenommen.

Neben dem Bedeutungsverlust der Streuobstwiese ist ihm seine geringe Lagerfähigkeit zum

Verhängnis geworden. Und im Zeitalter der ständigen Verfügbarkeit von Äpfeln aus aller Welt

ist sein früher Reifezeitpunkt kein „Marktvorteil“ mehr.

„Essen, was man retten will“ - dies ist der Slogan der Arche des Geschmacks. Und auch beim

Jakob-Fischer-Apfel funktioniert dies: Baumschulen und Naturschutzverantwortliche nicht nur

im Oberland sorgen dafür, dass er auf Streuobstwiesen und in Gärten weiter angebaut wird. In

der Region ist er nach wie vor als Rohstofflieferant für aromatisches Apfelmus beliebt. Und

sogar in der Oberlausitz kann man reinsortigen Apfelsaft vom Jakob-Fischer-Apfel kaufen –

alles in überschaubaren Mengen, aber genug, um ein Aussterben und Vergessen zu verhindern.

Eine Besonderheit wies der Archepassagier aus dem Oberland zum Zeitpunkt der Aufnahme

aus: der Ur-Baum der aus einem Zufallssämling entstandenen Sorte stand noch und war als

Naturdenkmal geschützt. Zehn Jahre später ist er im stolzen Alter von 117 Jahren abgestorben.

Sehr anrührend für die Kümmerer um das Arche-Projekt von Slow Food ist, dass das Holz des

Baumes weiter leben darf in den Skulpturen von Bernhard Schmid!

Gerhard Schneider-Rose

 

 

(Leitung Archekommission von Slow Food Deutschland)